Was leisten etablierte Methoden – und wo enden sie?
Abdeckung der sechs Architekturen struktureller Reibung
| Methode | Kapa- zität?Kapazität Ist die Stelle personell/zeitlich überhaupt tragbar? (Headcount, Pensum, Vertretungsregelungen) |
Ent- scheid?Entscheid Sind Entscheidungskompetenzen klar zugewiesen, oder gibt es Kompetenzlücken und -überlappungen? |
Pro- zesse?Prozesse Funktionieren die Abläufe, oder erzeugen ineffiziente Prozesse strukturelle Mehrarbeit? |
Sys- teme?Systeme Unterstützen oder behindern IT-Systeme, Tools und Infrastruktur die Führungsarbeit? |
Zeit?Zeit Ist die Zeitarchitektur sinnvoll? (Meetings, Unterbrüche, Planungshorizonte) |
Rolle?Rolle Ist die Rolle klar definiert, oder gibt es Rollenkonflikte, Unklarheiten, unrealistische Erwartungen? |
Ebene | Bedingung / Erleben |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
AKV Aufgabe-Kompetenz-Verantwortung | Rolle | nur normativ | ||||||
RACI Responsible-Accountable-Consulted-Informed | Rolle | nur Zuordnung | ||||||
DACI / RAPID Driver-Approver / Recommend-Decide | Rolle | nur Zuordnung | ||||||
VSM / SIPOC Wertstromanalyse / Prozesslandkarte | Prozess | nur Bedingung | ||||||
Star Model / 7-S Galbraith / McKinsey | Organisation | nur Bedingung | ||||||
Spans & Layers Führungsspanne und Hierarchietiefe | Organisation | nur Bedingung | ||||||
Energiematrix Organisationale Energie (Bruch & Vogel) | Organisation | Erleben/Zustand | ||||||
Beschleunigungsfalle Bruch & Menges | Organisation | Erleben/Lastmuster | ||||||
VERA / RHIA · TBS Bedingungsbezogene Arbeitsanalyse (Oesterreich, Leitner; Hacker) | Tätigkeit | Bedingung, operativ | ||||||
ISTA Stressbezogene Tätigkeitsanalyse (Semmer, Zapf, Dunckel) | Tätigkeit | Bedingung + Erleben, getrennt | ||||||
SJA Structural Job Audit | Rolle | misst Bedingung | ||||||
LWC Leadership Workload Check | Rolle | misst Erleben |
Jeder Ansatz leistet in seinem Entstehungskontext Gutes – keiner wurde für eine gekoppelte Diagnostik von Führungsstellen gebaut. Das Bewertungsraster sind die sechs Architekturen unseres eigenen Modells; die Einordnung ist eine fachliche Einschätzung, keine empirische Vergleichsstudie.
Die sechs Architekturen gliedern die Bedingungsseite und sind die Dimensionen des SJA. Der LWC erfasst das Erleben über zwölf Konstrukte; sie decken die Architekturen unterschiedlich direkt ab – daher dort teilweise nur halbe Punkte.
Wo stehen die Methoden – und wo fehlt das Fundament?
Horizontal: Was wird gemessen? (Bedingung ↔ Erleben) · Vertikal: Auf welcher Ebene? (Organisation ↔ Rolle/Stelle)
Structural Job Audit
Leadership Workload Check
Bedingungsbezogene Arbeitsanalyse (VERA/RHIA, TBS, ISTA-Beobachtungsversion) erfasst Regulationshindernisse auf Tätigkeitsebene – entwickelt für operative Arbeit, nicht für Führungsstellen, und ohne gekoppelten Erlebensbefund.
Die Position innerhalb eines Quadranten ist qualitativ, nicht skaliert.
Erleben der Tätigkeit wird andernorts erhoben (z. B. JDS, ISTA) – aber nicht gekoppelt an eine Bedingungsmessung derselben Führungsstelle.
ein gemeinsamer Befund
Erst der Abgleich von Bedingung (SJA) und Erleben (LWC) derselben Stelle zeigt, wo anzusetzen ist. Daraus ergeben sich vier Befundmuster:
Was erfasst welcher Ansatz – und was nicht?
Gängige HR-Instrumente und -Ansätze im Vergleich nach Ansatzpunkt, Lücke und Handlungskonsequenz
| Instrument / Ansatz | Erfasst… | Erfasst nicht… | HR-Konsequenz |
|---|---|---|---|
360-Grad-Feedback Verhaltens- & Kompetenzbeurteilung | Verhalten der Person aus mehreren Perspektiven | Ob die Stelle strukturell tragbar ist | Entwicklungsplan für die Person – kein Rollenredesign |
Mitarbeiterbefragung (MAB) Zufriedenheit, Klima, Engagement | Teamstimmung und Klimabild | Strukturelle Ursache der Unzufriedenheit | Massnahmen ohne Strukturbezug – Symptombekämpfung |
Burnout-Screening MBI, CBI u.a. | Psychische Belastungssymptome der Person | Warum die Stelle die Person überlastet | Setzt bei der Person an – Stelle bleibt meist unverändert |
Engagement Survey Gallup Q12, Korn Ferry u.a. | Emotionale Bindung und Motivation | Ob die Rollenstruktur Engagement zulässt | Führungskräftetraining – nicht Stellenredesign |
COPSOQ Copenhagen Psychosocial Questionnaire | Psychosoziale Arbeitsbedingungen – generisch, auf Gruppenebene | Einen Befund für eine einzelne Stelle – bewusst aggregiert wegen Anonymität | Gefährdungsbeurteilung auf Gruppenebene – ergänzt, ersetzt aber keine Stellenanalyse |
Resilienztraining / BGM-Programme Intervention, kein Messinstrument | Bewältigungskompetenz der Person (Optimismus, Achtsamkeit, Selbstwirksamkeit) | Ob die Stelle die Belastung überhaupt rechtfertigt | Sinnvoll als zweiter Schritt – nach der Diagnose, nicht an ihrer Stelle |
SJA + LWC Structural Job Audit + Leadership Workload Check | Struktur der Stelle (SJA) + Erleben der Rolle (LWC), gekoppelt ausgewertet | Persönlichkeit oder Verhalten der Person | Indikation auf Struktur- oder Personenebene – je nach Befundmuster |
Die meisten Instrumente antworten auf die Frage: Wie geht es der Person – oder der Gruppe?
SJA + LWC antworten auf: Liegt es an der Stelle – und wenn ja, wo genau?
Theoretische Grundlage: SJA und LWC operationalisieren das Job Demands-Resources-Modell (Bakker & Demerouti) für Führungsstellen.
Validierungsstand: Der LWC wird 2026 in einer laufenden Studie validiert. Die etablierten Verfahren dieser Übersicht sind teils seit Jahrzehnten validiert – diesen Unterschied benennen wir offen.
Hinweis: Auch SJA + LWC messen stellenbezogen und sind daher so wenig anonym wie jedes Verfahren auf dieser Ebene – die Rückmeldung erfolgt im Führungsdialog, nicht im Gruppenvergleich.
